Umweltschutz und nachhaltigkeit


Leben auf dem Friedhof


Friedhöfe als Teil der Stadtnatur

Der Friedhof als Symbol für den Lauf der Zeit und den Kreislauf des Lebens.
Nirgends sonst mutet der Wechsel der Jahreszeiten so symbolisch an wie auf dem Friedhof. Einerseits wenn im Herbst das Laub der Alleebäume golden leuchtet und schließlich fällt, andererseits wenn die Natur im Februar neu erwacht. 

Unsere Friedhöfe sind voller Leben - und wir möchten so viel es geht dafür tun, dass das so bleibt: Sei es durch die Auswahl vorwiegend bienen-/insekten- und vogelfreundlicher Pflanzen, dem Belassen von Blühinseln bei der Rasenmahd, dem Aufhängen von Vogel- und Fledermausnistkästen und Insektenhotels, dem Erhalt von Totholz auf dafür geeigneten Flächen oder der Unterstützung ökologischer Projekte auf unseren Friedhöfen - dabei sind wir auch stets offen für Vorschläge und Beteiligung durch unsere Friedhofsbesucher.
Friedhöfe bieten mit ihrer strukturellen Vielfalt in den zugebauten Innenstadtgebieten einen wertvollen Lebensraum für Mensch und Tier. Sie leisten einen positiven Beitrag zur Erholung und zum Klima des Stadtteils - durch die geringe Flächenversiegelung und den großen Bestand an alten Bäumen.

Die alten Bäume wiederum bieten mit ihren vielen Hohlräumen auch Spechten, Kleibern und anderen Höhlenbrütern ein Zuhause.
Bei einer Erfassung durch die Studenten des Studiengangs Umweltmonitoring an der HTW-Dresden wurden 2015 auf den Annenfriedhöfen eine Vielzahl von Brutrevieren verschiedener Vogelarten festgestellt:
Alter Annenfriedhof: Aaskrähe, Amsel, Blaumeise, Buchfink, Gartengrasmücke, Girlitz, Grauschnäpper, Grünfink, Grünspecht, Kernbeißer, Kleiber, Kohlmeise, Mauersegler, Mönchsgrasmücke, Ringeltaube, Rotkehlchen, Schwanzmeise, Singdrossel, Star und Zilpzalp - zusätzlich sind Buntspecht, Eichelhöher, Elster, Feldsperling, Gartenbaumläufer, Hausrotschwanz, Haussperling, Heckenbraunelle, Klappergrasmücke, Sommergoldhähnchen, Sperber, Stieglitz, Stockente und Turmfalke als Durchzügler oder Nahrungsgäste entdeckt worden.
Neuer Annenfriedhof: Ringeltaube, Buchfink, Sommergoldhähnchen, Aaskrähe, Girlitz, Stieglitz, Eichelhäher, Elster, Waldohreule, Zilpzalp, Fitis, Rotkehlchen, Zaunkönig, Hausrotschwanz, Amsel, Grünfink, Mönchsgrasmücke, Singdrossel, Klappergrasmücke, Star, Kohlmeise, Blaumeise, Kleiber, Gartenbaumläufer, Buntspecht, Grünspecht und Stockente - zusätzlich sind Bachstelze, Gartenrotschwanz, Haussperling, Kernbeißer, Mauersegler, Mehlschwalbe, Schwanzmeise, Sperber, Turm- und Wanderfalke als Nahrungsgäste gesichtet worden.

Im Rahmen einer gemeinsamen Krokuspflanzaktion und einem "Hummelköniginnenfrühstück" stellte uns der Verein Biene sucht Blüte Anfang 2020 einen Hummelnistkasten zur Verfügung, der von einem Ackerhummelvolk bewohnt wird.
Seit Mai 2020 sind außerdem zwei Bienenvölker eines Hobbyimkers aus der Nachbarschaft auf dem Neuen Annenfriedhof zu finden.

 


"Was kann ich tun?"

Friedhöfe sind Gemeinschaftsgärten - jedes Grab trägt zu ihrem Gesamtcharakter bei!
Entsprechend kann jeder Grabstätteninhaber einen kleinen Beitrag zu Stadtklima, Vogel- und Insektenschutz leisten, indem er ein paar einfache Grundsätze befolgt:
1. Das Grab bepflanzen, nicht mit Steinplatten, Kies(eln), Mulch, Schotter, Folie oder anderen nichtlebenden Materialien abdecken.
Nur so kann der Boden einen gesunden Luft-Wasser-Austausch aufrecht erhalten und der Friedhof seinen grünen und trostspendenden Charakter.
2. Eine Dauerbepflanzung ist nicht nur pflegeleichter, sondern auch lebenfreundlicher.
Wer mit bodendeckender Bepflanzung, Gehölzen, Stauden und Frühblüherzwiebeln sein Grab gestaltet, erlaubt den Pflanzen sich dauerhaft zu etablieren und so auch Samenstände und Früchte auszubilden, von denen sich zum Beispiel Eichhörnchen, Igel und Vögel ernähren können. Die Bepflanzung selbst bietet Insekten einen Lebensraum. Durch die dauerhafte Verbindung der Wurzeln mit dem Boden wird die Erde nicht beim Gießen oder bei Regen weggeschwämmt und muss seltener erneuert werden. Um dennoch etwas Abwechslung mit einzubringen, kann in der Dauerbepflanzung auch eine kleine Aussparung für saisonale Beet- und Balkonpflanzen frei gelassen werden.
3. Auf bienen- und insektenfreundliche Pflanzen achten und auch die Vögel nicht vergessen:
Nicht alle Pflanzen, die blühen, bieten auch Insekten Nahrung. Achten Sie bei der Auswahl auf Arten und Sorten, die Insekten besonders viel Nahrung bieten. Wenn Sie auch den Vögeln etwas Gutes tun möchten, wählen Sie Pflanzen, die im Herbst zusätzlich Früchte ausbilden (zum Beispiel Efeu und Kriechmispel). So sieht das Grab zusätzlich auch im Herbst nach der Blüte noch mit seinem Fruchtschmuck dekorativ aus.
4. Bitte dekorieren Sie Ihr Grab nicht mit Plastik oder gar Solarleuchten!
Gerade unmittelbar nach dem Sterbefall möchten viele Menschen Ihrer Trauer Ausdruck verleihen, indem sie das Grab reich dekorieren. Das ist jedoch aus gutem Grund in der Friedhofsordnung nicht erlaubt: Das Plastik zersetzt sich schnell durch Witterung und UV-Strahlung und Mikroplastik gelangt so in den Boden. Zusätzlich haben wir in der jüngeren Vergangenheit beobachtet, dass immer mehr Menschen Solarleuchten auf dem Grab aufstellen. Hier besteht nicht nur dasselbe Problem mit den Kunststoffteilen, sondern zusätzlich ist die verbaute Solarzelle bzw. der Akku ein echte Entsorgungs- und Umweltproblem.


Nachhaltigkeit + Gerechtigkeit


Grabmalgestaltung

Grabmale auf unseren Friedhöfen erzählen auf vielfältige Weise. In Material, Form, Farbe, Bearbeitung, Schrift und Symbol erinnern sie uns zeichenhaft und persönlich an die Men-schen, die uns vorausgegangen sind. Mit dem Grabmal soll der Verstorbenen gedacht werden. Es ist ein Grab-Denkmal.
Neben Grabmalen aus Holz oder Metall haben Grabmale aus Naturstein eine lange Tradition und sind prägend auf unseren Friedhöfen. Auch heute noch entscheiden sich viele Angehörige für ein Grabmal aus Naturstein.
Wie auch in anderen Bereichen, beruht die Angebotsvielfalt im Natursteinsektor auf internati-onalen Handelswegen und transkontinentalen Liefermöglichkeiten. Dies führt jedoch auch dazu, dass nicht jedes Produkt, das wir erwerben, unter den gleichen sozialen Standards hergestellt wurde, die für uns in Europa selbstverständlich sind.
Zum Verbot und unverzüglichen Maßnahmen zur Beseitigung der schlimmsten Formen von Kinderarbeit hat 1999 die Konferenz der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), eine Un-terorganisation der UNO, die ILO-Konvention 182 angenommen. 2001 stimmte die Bundesrepublik Deutschland hat dieser Konvention durch Gesetz zu.
Seit Jahren wird von ausbeuterischer Kinderarbeit in Steinbrüchen außerhalb Europas berich-tet. In den betroffenen Steinbrüchen leisten Kinder gefährliche und schwere Arbeiten, teilweise in Schuldknechtschaft. Die betroffenen Kinder haben keine Möglichkeit zur Schule zu gehen, erhalten keinerlei Gesundheits- und Arbeitsschutz und sind sozial nicht abgesichert. Über internationale Handelswege gelangen diese Natursteine auch nach Deutschland.
Auf „siegelklarheit.de“ werden u. a. Siegel für den Bereich Natursteine aufgeführt und auch nach der Einhaltung sozialer Standards, wie z. B. der ILO-Konvention 182, bewertet. Die Bewertungen werden durch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH verantwortet. Die GIZ unterstützt die Bundesregierung bei der Verwirklichung ihrer Ziele der internationalen Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ist Hauptauftraggeber und Gesellschafter der GIZ.

Wir möchten Angehörige ermutigen bei der Auswahl des Grabmals auch auf dessen Herkunft zu achten. Die Wahl regionaler Materialien kann dabei nicht nur die Gefahr Kinderarbeit zu unterstützen komplett vermeiden, sondern ist auch klimafreundlicher und unterstützt das örtliche Handwerk.
Die Wahl des Materials kann der/m Verstorbenen zusätzlich in ganz besonderer Weise gerecht werden: Vielleicht eignet sich ein Gestein, das aus dessen/deren Heimat stammt oder von einem gern besuchten Ort? Vielleicht besteht beruflich ein Bezug zu Holz oder Metall, so dass auch diese Materialien in Frage kommen?

Gerne beraten wir Sie hierzu.

 

Für unsere Gemeinschaftsgrabmale verwenden wir seit 01.01.2019 nur europäische oder zertifiziert kinderarbeitsfreie Gesteine und Holzgrabmale aus Eichenholz.